KZ Auschwitz – ein Besuch gegen das Vergessen!

„Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben.“

(Joseph Goebbels)

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Oświęcim, Polen, am 10.02.2020, es ist kurz vor 13:00 Uhr. Ein kurzfristig geplanter Ausflug in die Vergangenheit, ein Blick auf das, was nie wieder geschehen darf. Es ist kalt, nass und windig und das Wetter passt zu diesem furchtbaren Ort, wir stehen am Eingang zur Gedenkstätte KZ Auschwitz 1.

Es dauert einen kurzen Moment, bis wir eintreten können, da jeder Besucher durch eine Sicherheitsschleuse muss. Wer eine geführte Tour möchte, sollte frühestmöglich im Voraus buchen. Wir wollten unsere eigenen Eindrücke sammeln, dachten aber, man kann Audioguides ausleihen, doch die Kopfhörer gab es nur für die geführten Touren. Da fast alles nur in polnisch oder englisch beschriftet ist, empfehlen wir die Führungen in deutscher Sprache, zumindest, wenn man die englische Sprache nicht perfekt beherrscht. Wir hatten zum Glück unsere 15jährige Tochter Tessa dabei, die ein kleines Sprachgenie ist und auch ein gekaufter Museumsführer war hilfreich.

Arbeit macht frei

Von Weitem sahen wir dann schon die bekannte Toraufschrift: „Arbeit macht frei“ Was für eine Verhöhnung! Das ist übrigens nicht der originale Schriftzug, dieser wurde nach dem Diebstahl  im Dezember 2009 noch am gleichen Tag durch eine Kopie ersetzt. Der originale Schriftzug wurde von den Dieben in drei Teile geschnitten und sollte in Schweden weiterverkauft werden. Nach drei Tagen fand man das Diebesgut in einem Waldstück in Polen, worauf es in der hauseigenen Werkstatt restauriert und und seitdem in einem seperaten Raum ausgestellt wird.

Täglich gingen durch dieses Tor Tausende von Häftlingen zu ihrer schweren Arbeit. Am Abend kehrten sie total erschöpft ins Lager zurück und oft trugen sie die Leichen ihrer verstorbenen oder getöteten Leidensgefährten mit sich.

Direkt hinter der Toreinfahrt wurden die Leichen als Warnung an die anderen Insassen aufgebahrt. Das waren z. B. Häftlinge, welche die Aufseher während eines Fluchtversuchs erschossen.

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Eine Urne mit Asche

In der Zeit des Bestehens (vom      14. Juni 1940 – 27. Januar 1945) deportierten die Deutschen mindestens 1,3 Millionen Menschen in das KZ Auschwitz. Etwa 900.000 Juden wurden sofort nach ihrer Ankunft im Lager in Gaskammern ermordet.

 

 

Eine Meldung über einen Häftling, der anderen zur Flucht verholfen hat. Seine Strafe waren 25 Stockschläge.

 

 

Die nachfolgenden Bilder zeigen eine Aufstellung der stattgefundenen Exekutionen am 22. November 1940. Ein einziger Tag von so vielen! Diese Liste fand ich so erschreckend. Wie kaltblütig die Deutschen damals waren. Der Inbegriff des sinnlosen Hasses gegenüber Menschen, Menschen wie du und ich!

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Über 25 Millionen Besucher seit der Eröffnung des Museums haben ihre Spuren hinterlassen!

Die Rechnung über einen Verbrennungsofen, er kostete 25148 Mark.

Die Häftlinge wussten oft bis zum Schluss nicht, was mit ihnen passiert. Man ließ sie in dem Glauben, dass sie sich einer Desinfizierung unterwerfen müssen, dafür sollten sie sich entkleiden. Die Gaskammern waren mit Duschattrappen ausgestattet. In den Umkleideräumen standen Bänke und nummerierte Kleiderständer. Die Deportierten sollten so davon überzeugt werden, sie könnten danach wieder ihre Kleidung nehmen und zu den Wohnbaracken gehen.

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Die mit Gasmasken geschützten SS Männer öffneten die Büchsen mit dem Zyklon B (mit Zyanwasserstoff getränkte Klümpchen von Kieselerde) und schütteten sie in die Gaskammern. Die Kieselerde, die unter dem Einfluss der Temperatur das Gas freisetzte, hat den furchtbaren Erstickungstod verursacht. Wenn man bedenkt, dass es vor allem die Schwächsten waren (Kinder, Frauen, Kranke und Alte), die so grausam umgebracht wurden, dann fragt man sich, was muss mit Menschen passieren, dass sie anderen so ein Leid antun können.

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Besonders ergreifend empfanden wir die ausgestellten persönlichen Gegenstände der Opfer. Die Menge an Brillen, Prothesen, Töpfen, Schüsseln, Schuhen oder z.B. Haarbürsten, Kämmen und Rasierpinseln ist unbeschreiblich. Geschockt waren wir auch von dem Anblick der fast 2 Tonnen Frauenhaar. Die Haare wurden als Industrierohstoff in Säcken gesammelt und an deutsche Firmen verkauft. Das Material diente zur Herstellung von Gewebe (Haarstoff) und Filz.

Auch die Masse an alten Koffern und Taschen lässt einen erschaudern. Jedes Stück ist mit Namen versehen und mit Daten – hinter jedem steht das Schicksal eines Menschen oder einer ganzen Familie.

Wertgegenstände, ausländisches Geld, geschmolzene Goldzähne wurden an die deutsche Reichsbank geschickt. Gut erhaltene Kleidung der Juden bekamen deutsche Staatsbürger.

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Tallitot (jüdische Gebetsschals)

Wohnräume (Stroh, Strohsäcke), Holzpritschen

In den ersten Monaten des Bestehens von Ausschwitz mussten die Gefangenen zusammengepfercht auf dem Boden auf Stroh oder Strohsäcken schlafen. Später ersetzte die SS die Schlafstätten durch dreistöckige schmale Pritschen. Auch hier teilten sich jeweils mehrere Personen die geringe Fläche.

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Das untere Bild zeigt nur einen Bruchteil der Portraits in der Ausstellung. Alle diese Menschen wurden im KZ Auschwitz getötet. Einige von ihnen waren Jahre gefangen und einige überlebten schon die ersten Tage nicht.

Typische Toiletten- und Waschräume

Unter den katastrophalen hygienischen Bedingungen verbreiteten sich Infektionskrankheiten und Seuchen, an denen tausende geschwächte Häftlinge starben.

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Grausame medizinische Versuche führten die Nazis im KZ Auschwitz durch. Gynäkologen erprobten die Sterilisation, indem sie Frauen Formalin in die Gebärmutter spritzten. Sie testeten neue Medikamente, führten Infektionsexperimente mit Typhus an Zwillingen und viele andere unvorstellbar schlimme Versuche durch. Operationen wurden ohne Betäubung durchgeführt.

Ärzte, die einst den Hippokratischen Eid schworen, wurden zu Barbaren und brutalen Mördern.

Der Hof vom Block 11

Gegenüber dem Eingang von Block 11 sieht man die sogenannte Todeswand. Dort fanden insgesamt weit über 5000 Exekutionen von Gefangenen durch Erschießen statt.

Durch die Seitentür von Block 11 führte man die zum Tode Verurteilten auf den Platz. Fenster von Block 10 und 11 waren zugemauert bzw. mit Brettern verdeckt, so dass die Häftlinge das Geschehene nicht sehen konnten.

An diesen Balken wurde das Pfahlhängen vollzogen. Den Häftlingen band man die Hände hinten zusammen und hing sie so auf, dass sie den Boden nicht mit den Füssen berühren konnten.

Der Sammelplatz

Die Todesstrafe durch Erhängen sollte der Abschreckung der anderen Mithäftlinge dienen. Meist wurden diese an mobilen Galgen durchgeführt. Ab 1943 gab es einen speziellen Galgen, an dem bis zu 12 Personen gleichzeitig ermordet werden konnten.

Z.B. diese 12 Gefangenen, die anderen Häftlingen zur Flucht verhalfen und Kontakt zur Zivilbevölkerung hatten.

 

An dieser Stelle wurde im April 1947 das Urteil vom obersten polnischen Gerichtshofes gegen den ersten Lagerkommandanten SS-Obersturmbannführer Rudolf Höss durch Erhängen vollstreckt.

Im Lagerkomplex des KZ Auschwitz gab es insgesamt sieben Gebäude, die als Gaskammern dienten. Was für ein beklemmendes und trauriges Gefühl, hier zu stehen. Trotz der vielen Besucher war eine bedrückende Stille zu spüren.

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Es war ein Ausflug, den wir wohl so schnell nicht mehr vergessen werden. Das Elend und die unvorstellbare Grausamkeit sind hier allgegenwärtig. Wir werden noch einige Zeit brauchen, um diese Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten.

Doch gerade in dieser Zeit, wo die Fremdenfeindlichkeit wieder so um sich greift, sollte ein Besuch in einer der noch vorhandenen KZ-Gedenkstätten zum Pflichtprogramm für Jugendliche und junge Erwachsene gehören.

„Ihr tragt keine Schuld für das was passiert ist, aber ihr macht euch schuldig, wenn es euch nicht interessiert.“

(Esther Bejarano, Auschwitz-Überlebende)

Noch ein Wort zu den Fotos. Wir waren überrascht, dass Kameras hier überhaupt erlaubt sind. Trotzdem sollte man respektvoll sein. Einige Besucher nutzen z.B. die Gleise, auf denen über hunderttausend Menschen mit dem Zug ins KZ deportiert wurden, als Fotokulisse für Selfies, teilen die Bilder auf Instagram und Twitter, das ist pietätlos. Ich habe mit meinen Fotos versucht, das Schrecken festzuhalten oder das Unbegreifliche für uns begreiflich zu machen.

Dieser Blogpost war eigentlich nicht geplant, doch irgendwie und irgendwo mussten sie hin, meine Eindrücke und Gedanken!

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1 Kommentare

  1. Es ist gut, dass es diesen Ort gegen das Vergessen weiterhin gibt, aber ich glaub, ich könnte ihn nicht besuchen. Das würde mir alles zu nah gehen. Es ist einfach nur grausam, was da damals passiert ist, wie viele Schicksale dort von fehlgeleiteten Menschen besiegelt wurden.

    Liebe Grüße
    Jana

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