Frohe Weihnachten Euch allen!

 
Ihr Lieben!
Der Baum ist geschmückt, der Kühlschrank gefüllt, die Anspannung lässt langsam nach und nun wird es Zeit, Euch auch eine schöne Weihnacht zu wünschen. Lasst es Euch gut gehen und habt ein paar friedvolle und besinnliche Tage im Kreise Eurer Familie! Falls der Stress Euch übermannt, denkt daran, es ist gar nicht so selbstverständlich, in einem gemütlichen, warmen Heim den Heiligen Abend mit seinen Lieben zu erleben! Und weil es leider auch immer noch passt, heute mal ein etwas trauriges und nachdenkliches Gedicht von Theodor Storm!

Weihnachtsabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s, durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fort gespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
„Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
erkannt‘ ich im Vorübertreiben nicht.

Nur vor dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört‘ ich, mühsam, wie es schien:
„Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn‘ Unterlaß;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? War’s Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh‘ meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfaßte mich die Angst im Herzen so,
als säß‘ mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm

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